Braumüller

ISBN-13: 978-3-99200-230-6

erschienen: 01.02.2019

Seiten: 176

Format: 11,50x18,40

Ausgabe/Einband: Buch / gebunden

Thema: Literatur deutschsprachig

Warengruppe VLB: 1112

Schlagworte: Schicksalsroman; Kinder; Heimat; Familie; Verlust; Herkunft; Identität; Sprache; Rettung; Erinnerung

Preis: € 20,00

Ein zögerndes Blau

Claudia Sammer

Ein Leben zwischen zwei Namen, zwei Sprachen, zwei Identitäten. Kann man alles verlieren, ohne ein anderer Mensch zu werden?
Zwei Kinder, Leon und Teres, stranden in den Wirren eines Krieges in einem fremden Land. Sie bleiben fremd unter Fremden, deren Sprache sie nicht sprechen, und erhalten von der Bauernfamilie, die sie aufnimmt, neue Namen und einen neuen, nie zuvor gedachten Lebensweg. Während Teres ein Leben lang mit Selbstzweifeln und Minderwertigkeitsgefühlen ringt, kämpft Leon für ein besseres Leben, bis auch er an seine Grenzen stößt und sich dem Zwiespalt und der Verleugnung stellen muss. Es ist die Geschichte zweier Menschen, die jenseits aller Selbstverständlichkeiten lernen müssen, ihr Leben neu zu denken.

Textauszug:
Mit ihren müden Händen umklammerte Lea Kapries zwei kleine Kinderhände. Sie hatte drei Söhne und zwei Hände, eine verhängnisvolle Ungleichung. Leon war außen. Er hielt sich an seinem älteren Bruder fest, als er in der Menge einen Stoß versetzt bekam, stolperte und ins Leere griff. Seine Hand hastete, tastete panisch nach der Hand des Bruders, seine Augen suchten verzweifelt nach dem Gesicht der Mutter und der Geschwister, doch Augen und Finger fanden nur Fremdes. Fremde erschöpfte Augen und verzerrte Münder, fremde knöcherne und schwitzende Hände. Seine Schreie blieben ungehört, weil sie in den Schreien der übrigen Verlorenen untergingen.
Leon wollte rennen und suchen, finden und umarmen und war eingesperrt in dem unwillkürlichen Wogen der Menge, das seinen Körper in alle Richtungen verschob. Irgendwann wurde er an den ausfransenden Rand gespült und floh schluchzend auf eine Bank. Er winkte und rief, doch er sah nichts Bekanntes.

"Wie grundlegend der Verlust von Familie, Heimat und Identität einen Menschen kaputt machen kann; wie schwer es ist, ein zweites Leben zu beginnen – das sind angesichts der unzähligen Krisenherde auf der Welt dringende Themen, mit denen sich Claudia Sammer tiefgründig auseinandergesetzt hat." Theresa Hübner, SWR2

„Ein sehr gelungenes Debüt – bitte mehr davon!“ Kronen Zeitung, Hannah Michaeler

Über den Autor/die Autorin


© Christian Jungwirth
Claudia Sammer
Claudia Sammer, geboren 1970 in Graz, studierte Rechtswissenschaften und Literarisches Schreiben. Nach beruflichen Stationen in Wien und Mailand lebt sie mit ihrer Familie in Graz. Ersten Gedichtveröffentlichungen in Anthologien folgt nun mit "Ein zögerndes Blau" ihr Romandebüt.


Veranstaltungen