Braumüller

Herr Borovansky und Frau Borovansky in der Servitengasse Braumüller ist eines der ältesten privaten Verlagshäuser im deutschsprachigen Raum und veröffentlicht Sachbücher und Literatur. Die Sachbücher widmen sich den Themen Kultur, Politik, Genuss und Gesellschaft. Im Literaturprogramm publizieren wir Texte von deutschsprachigen und internationalen Autorinnen und Autoren. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Übersetzungen aus dem Tschechischen. In beiden Bereichen legen wir größten Wert auf hohe inhaltliche Qualität und konsequente Publikationskultur.
Team
Verleger Bernhard Borovansky

Bernhard Borovansky
Geschäftsführung/Verlagsleitung
office@braumueller.at
(+43 1) 319 11 59
Verlegerin Konstanze Borovansky

Konstanze Borovansky
Geschäftsführung/Verlagsleitung
office@braumueller.at
(+43 1) 319 11 59

Presse Frau Führer

Mag. Ingrid Führer
Leitung Presse und Öffentlichkeitsarbeit
presse@braumueller.at
+43 676 8142 9897
Veranstaltungen Frau Hiller;hrer

Dr. Mauretta Hiller
Veranstaltungen
m.hiller@braumueller.at
(+43 1) 319 11 59-24

Lektorin Frau Luttenberger

Anita Luttenberger, B.A.
Lektorat
a.luttenberger@braumueller.at
(+43 1) 319 11 59-11
Angelika Hoeritzauer

Angelika Höritzauer, M.A., B.A.
Presse- und Vertriebsassistenz
a.hoeritzauer@braumueller.at
(+43 1) 319 11 59-14
Grafikerin INes Flattinger

Ines Flattinger
Grafik & Herstellung
i.flattinger@braumueller.at
(+43 1) 319 11 59-15
Grafikerin INes Flattinger

Michael Priesnitz
IT
Das Braumueller Team
Geschichte
Das 1783 gegründete Unternehmen Braumüller befindet sich seit fünf Generationen im Besitz der Familie von Konstanze Borovansky, die seit 2002 als Geschäftsführerin im Verlag tätig ist. 2008 übernahmen Konstanze und Bernhard Borovansky, das Unternehmen von Brigitte Pfeifer.

Braumüller wurde ursprünglich als Wissenschaftsverlag gegründet. 1955 kam ein Schulbuchprogramm hinzu. 2009 schlug das Verlagsteam ein neues Kapitel in der Verlagsgeschichte auf und erweiterte das Programm um Sachbücher und Literatur. Seit dem Frühjahr 2012 konzentriert sich Braumüller ausschließlich auf diese beiden Bereiche.

Nicht einfach nur die weit zurückliegende Gründung unseres Unternehmens im Jahr 1783, vielmehr der so viele Jahre ungebrochene Erfolg beim Verlegen wissenschaftlicher Literatur ist für uns Anlass, interessierten LeserInnen einen Einblick in die lange und wechselvolle Geschichte des Privatverlages Braumüller und der Verlegerfamilien Braumüller und Jasper zu geben.
Braumüller Verlagschronik

Die Familien Mösle und Braumüller


1783 Am 26. März 1783 erhält der aus Salzburg stammende Johann Georg Ritter von Mösle die Buchhandelskonzession für ein Verlags- und Sortimentsgeschäft in der Münzergasse in Wien. Er spezialisiert sich auf rechts- und staatswissenschaftliche Titel. Nach Mösles Tod 1808 führt seine Witwe Elisabeth von Mösle das Geschäft weiter.

1807 Wilhelm Braumüller wird als Sohn eines Pastors in Zillbach (Sachsen-Weimar) geboren. Nach dem Tod des Vaters beginnt er 1821 eine fünfjährige Lehre zum Sortiments- und Verlagsbuchhändler in der „Baereke’schen Buchhandlung“ in Eisenach.

1828 Wilhelm Braumüller fängt als Comis beim k.k. Universitätsbuchdrucker und -buchhändler Carl Gerold am Stephansplatz in Wien an. Dort lernt er Ludwig Wilhelm Seidel (1802–1894) aus Weimar kennen, der 1826 als Gehilfe zu Gerold gekommen ist. 1830 Seidel erwirbt das Warenlager und die Geschäftseinrichtung des Buchhändlers Leopold Franz Haller in Brünn.

1833 Gerold und Braumüller beteiligen sich an Seidels Brünner Firma, die ab März 1833 unter dem Namen „Seidel & Comp.“ firmiert. Sie wird 1835 wieder verkauft.


Familie Jasper

1780 Christian Georg Jasper wird in Rügen geboren. Nach seiner Leipziger Lehrzeit arbeitet er 1811 als Gehilfe in der „Schaumburgschen Buchhandlung“ in Wien, einem der damals bedeutendsten Sortimente im deutschsprachigen Buchhandel, bevor er in der „Geroldschen Buchhandlung“ am Stephansplatz (1812–1819) tätig wird.

1821 Jasper wird Kompagnon der Buchhandlung von Johann Karl Friedrich Mörschner am Michaelerplatz. Der Firmenname lautet „Mörschner & Jasper“. Als zweites Standbein betreibt Jasper mit zum Teil selbst erfundenen Maschinen eine Linier- und Rastrieranstalt in Wieden.

1831 Jaspers Neffe Ernst Friedrich Moritz Jasper (1805–1849) wird Gehilfe in der Buchhandlung „Mörschner & Jasper“, die auch eine bedeutende Verlagstätigkeit entwickelt.

1838 Christian Georg Jasper löst seine Geschäftsverbindung mit Mörschner und zieht sich auf die Rastrieranstalt zurück. Doch schon 1841 bewirbt er sich neuerlich um eine Buchhändlerkonzession.


„R. v. Mösles Wittwe und Braumüller“

1835 Wilhelm Braumüller tritt als öffentlicher Gesellschafter in die Firma „R. v. Mösles Wittwe“ ein. Seidel wird stiller Teilhaber des Wiener Verlages, der als „R. v. Mösles Wwe. und Braumüller“ seinen Sitz im Haus der Sparkasse am Graben 21 hat.

1837 Wilhelm Braumüller erhält die österreichische Staatsbürgerschaft und heiratet Maria Anna Lechner, die Tochter des Wiener Antiquars und Verlegers Michael Lechner.

1840 Als Elisabeth Mösle ihre Buchhandelsbefugnis zurücklegt, wird diese Wilhelm Braumüller verliehen:
Nachdem der bisherige verantwortliche Geschäftsführer der hiesigen Ritter von Mösle’schen Buchhandlung Wilhelm Braumüller die zur Erlangung eines BuchhandlungsBefugnißes auf den hiesigen Platze erforderlichen Eigenschaften besitzt, so wird demselben von der Regierung im Einverständniße mit der k.k. Polizey und CensursHofstelle das von der Buchhändlerswittwe Elis. Edle von Mösle erfolgten Anheimsagung ihres Befugnißes für Wien verliehen.
Wilhelm Braumüller und Ludwig Wilhelm Seidel übernehmen das gesamte Unternehmen. Der Verlag „Braumüller und Seidel“ spezialisiert sich neben dem Gebiet der Rechtwissenschaften auch auf Religionsgeschichte, Handelswissenschaften, Pädagogik, Tiermedizin und Medizin. Das Handbuch der pathologischen Anatomie von Carl Freiherr von Rokitansky, Professor an der Universität Wien, erscheint. Braumüller zählt in der Folge zahlreiche namhafte Vertreter der Wiener medizinischen Schule wie Joseph Engel, Dominik-Joseph Hauschka, Joseph Hyrtl, Isidor Neumann und Salomon Stricker zu seinen Autoren. Im selben Jahr erhält Braumüller das Bürgerrecht zu Wien.

1846 Wilhelm Braumüller darf den Zusatz „k.k. Hofbuchhandlung“ führen.

1848 Braumüller und Seidel trennen sich. Braumüller behält das Geschäft am Graben 21. Seidel eröffnet am Graben 13 gegenüber dem Trattnerhof und spezialisiert sich auf Militaria. 150 Buchtitel aus dem gemeinsamen Unternehmen werden unter den ehemaligen Partnern aufgeteilt. Bis 1855 veröffentlicht Braumüller 65 Werke.

1849 Die neu gegründete Akademie der Wissenschaften ernennt Wilhelm Braumüller zu ihrem alleinigen Buchhändler.


Die Jasper’sche Buchhandlung

1843 Am 1. April 1843 eröffnet Christian Georg Jasper im Palais Liechtenstein in der Herrengasse die „Jasper’sche Buchhandlung“. Nur drei Jahre später, 1846, verstirbt er.

1847 Die „Jaspersche Leihbibliothek“ eröffnet am Kohlmarkt. Ernst Friedrich Moritz Jasper ernennt seinen Bruder Ludwig Jasper (1810–1859) zum Geschäftsführer und nimmt die Gehilfen Eduard Hügel (1816–1887) und Friedrich Manz (gest. 1866) als öffentliche Gesellschafter in das Sortiments- und Kommissionsgeschäft auf. Es firmiert ab 1847 als „Jasper, Hügel & Manz“. Der Verlag bleibt Eigentum von Jasper.

1849 Nach dem frühen Tod von Ernst Friedrich Moritz Jasper führt seine Witwe Emilie Jasper (1818–1895) die Geschäfte.

1851 Manz tritt aus der Firma „Jasper, Hügel & Manz“ aus. Er übernimmt den Verlag und errichtet am Kohlmarkt eine eigene Buchhandlung. Das Sortiment führen Emilie Jasper und Eduard Hügel unter dem Namen „Jaspers Witwe & Hügel“ bis 1855.

1860 Emilie Jasper verkauft die „Jaspersche Leihbibliothek“ an den Geschäftsführer Albert Last (1826-1889), einen Verwandten der Jaspers. Unter der Leitung Lasts wird die Jaspersche Leihbibliothek zu einer der größten in der Monarchie.

Wilhelm Braumüller – k.k. Hofbuchhändler und Verleger
1865 Ab dem 13. Januar 1865 führt Braumüller den Zusatz „k.k. Universitäts-Buchhandlung“. Verlagssitz ist die Wickenburggasse 13 im achten Wiener Gemeindebezirk.

1868 Wilhelm Braumüller jun. (1838–1889) tritt als Teilhaber in die von da an als „Wilhelm Braumüller und Sohn“ firmierende Sortimentsbuchhandlung am Graben 21 ein. Es erscheint das erste von 119 Bändchen aus Braumüller’s Bade-Bibliothek , einer Reihe über die bedeutendsten Bäder der Monarchie. Manche der Titel, wie Band 44 über das Wildbad Gastein von Emanuel Bunzel, erreichen bis zu sieben Auflagen. 1912 wird die Reihe eingestellt.


Per noctem ad lucem

1871 Zum 50-jährigen Berufsjubiläum erhält Wilhelm Braumüller den „Orden der Eisernen Krone Dritte Classe“. Kaiser Franz Josef I. erhebt Braumüller samt seinen ehelichen Nachkommen in den Ritterstand und erlaubt das Führen eines Wappens:
Ein quergetheilter Schild, dessen obere Hälfte senkrecht getheilt ist. In dem vordern goldenen Felde ein an die Theilungslinie angelegter halber schwarzer Adler (mit Bezug auf den Titel eines k.k. Hofbuchhändlers). Im hintern blauen Felde ein mit goldenen Schließen und Goldschnitt versehenes, in weißes Pergament gebundenes geschlossenes Buch, auf dessen Deckel die Jahrzahlen 1821/1871 (als Zeichen des Standes des Ritterstandserwerbers mit Hinweis auf die 50jährige Wirksamkeit desselben). In der untern rothen Schilderhälfte erscheint ein halbes silbernes Mühlrad, mit Bezug auf den Namen Braumüller. Auf dem Schilde stehen zwei offene adelige Turnierhelme mit rechts schwarz-goldenen, links roth-silbernen Helmdecken; beide gekrönt. Dem rechten entsteigt ein geschlossener Adlersflug, dessen vorderer Flügel schwarz, der linke golden ist. Der linke Helm trägt zwei Büffelshörner, der vordere von Roth über Silber, das hintere von Silber über Blau quergetheilt; zwischen beiden ein silbernes Mühlrad. Unter dem Schilde auf fliegendem silbernen Bande die Devise: Per noctem ad lucem.

1875 Heinrich Laube, Direktor des k.k. Hofburgtheaters, veröffentlicht bei Braumüller seine Erinnerungen 1810–1840 . Sieben Jahre später folgen der zweite Teil, Erinnerungen 1841–1881 , sowie der letzte Band seiner Gesammelten Schriften . Der Verlagskatalog verzeichnet 1875 bereits 750 Titel, neben denen Braumüller 250 Werke und Zeitschriften auf Kommissionsbasis übernimmt.

1877 Anlässlich des 70. Geburtstages von Wilhelm von Braumüller schreibt die Österreichische Buchhändler-Correspondenz:
[Braumüller] war den Jüngern und Meistern der Wissenschaft ein stets opferbereiter Verleger, er hat dem Forscher unermüdet die hilfreiche Hand gebothen zur Veröffentlichung seiner Arbeiten in der eigenen Heimat, er hat nicht aufgehört, an der Beseitigung der Schranken mitzuwirken, die der Gleichberechtigung zwischen den Publikationen dies- und jenseits unserer Reichsgrenze im wege standen. Mehr noch: er hat dadurch, daß er zahlreiche Verbindungen mit Deutschland anknüpfte – so zahlreiche, wie der ganze übrige österreichische Verlag nicht – einen Verlag geschaffen, der vermöge seiner Universalität und Nationalität der Autoren die ideale Einheit aller deutschredenden Stämme Mittel-Europas in sich verkörpert.
Im selben Jahr veröffentlicht der Braumüller Verlag ein Verzeichniss der vorzüglichsten Werke aus dem Gebiete der Medicin und der damit verwandten Wissenschaften. 

1878 Die Publikation  Zillbach. Culturgeschichtliche Schilderung der Grafschaft Henneberg und des Ortes Zillbach und dessen Bedeutung als Forstlehranstalt mit den Biographien der beiden Söhne Zillbach’s, Wilhelm Braumüller und Heinrich Cotta  von  Conrad Beyer erscheint bei Braumüller.

1884 Nach dem Tod seines Vaters übernimmt Wilhelm von Braumüller jun. als Alleinbesitzer den Verlag und das Sortiment.

1889 Im Braumüller Verlag erscheint eine Abhandlung  Über functionelle Aphonie und deren Behandlung durch Hypnose und Suggestion, verfasst von einem jungen Assistenzarzt an der Allgemeinen Poliklinik namens  Arthur Schnitzler. Wilhelm von Braumüller jun. verstirbt. Das Unternehmen wird die nächsten Jahre von Mitarbeitern geleitet.

1894 Die beiden Enkel des Verlagsgründers, Adolf von Braumüller (geb. 1868) und Rudolf von Braumüller (geb. 1870), übernehmen die Firma.

1895 Die Reihe  Braumüller’s militärische Taschenbücher wird eröffnet. Der erste Band, Taschenbuch zum Gebrauch bei taktischen Ausarbeitungen, Kriegsspielen, taktischen Übungsritten, Manövern und im Felde von  Franz Rohr erreicht 1905 die 17. Auflage.

1898 Anlässlich der Jubiläumsausstellung 1898 erscheint das  Verzeichnis einer Auswahl medizinischer Werke aus dem Verlage von Wilhelm Braumüller in Wien .

1902 Der  Atlas der descriptiven Anatomie des Menschen von  Carl Heitzmann erreicht in der vollständig umgearbeiteten Fassung von  Emil Zuckerkandl in der 9. Auflage einen Absatz von insgesamt fast 60.000 Exemplaren. Dieser Titel ist seit 1869 bei Braumüller im Programm.


Die Druckerei Jasper

1865 Emilie Jasper erwirbt für ihren Sohn Friedrich Jasper (1847–1938) eine Buchdruckerei in der Reisnerstraße 3 in Wien-Landstraße. Die Offizin hat zwei Schnellpressen und ein Dutzend Mitarbeiter. Noch im selben Jahr über siedelt die Firma in den in der Beatrixgasse liegenden Teil des Hauses Heumarkt 7. Friedrich Jasper wird als Lehrling aufgenommen und übernimmt Anfang 1869 die Buchdruckerei der Mutter auf eigene Rechnung. Aufgrund seiner Minderjährigkeit erwirbt er die Konzession erst 1872.

1872 Der „Deutsch-österreichische Buchdruckerverein“ wird gegründet. Zum ersten Vorsitzenden wird Moritz Gerold ernannt, Schriftführer ist Friedrich Jasper. Der junge Verein gibt die Österreichische Buchdrucker- Zeitung heraus, die bei Jasper gedruckt wird und bis 1922 erscheint. Friedrich Jasper betreut bis 1877 die Redaktion. Der „Deutsch-österreichische Buchdruckerverein“ besteht bis 1880. 

1878 Der „Graphische Klub“ wird begründet. Die Anregung dazu kommt von Friedrich Jasper, den die Mitglieder zum ersten Schriftführer und Bibliothekar wählen.

1879 Anlässlich der Silbernen Hochzeit des Kaiserpaares Franz Joseph und Elisabeth findet der Makartsche Festzug über Praterstraße und Ring statt. Auf dem Prachtwagen der Buchdrucker stellt Hermann Manz, Inhaber der „Manzschen Buchhandlung“, Johannes Gutenberg dar, Friedrich Jasper ist ein Vertreter der grafischen Gewerbe.

1883 Friedrich Jasper wird zum Vorsteher des Gremiums der Wiener Buchdrucker gewählt.


Otto Weiningers  Geschlecht und Charakter

1903 Otto Weininger veröffentlicht bei Braumüller  Geschlecht und Charakter . 1925 erreicht das Werk die 26. Auflage. Der Verfasser erlebt den Erfolg seiner Abhandlung nicht – er nimmt sich kurz nach der Veröffentlichung, im Alter von 23 Jahren, das Leben. 1937 wird die 1926 erschienene Volksausgabe bei der Leipziger Auslieferung Koehler beschlagnahmt und die Auslieferung in Deutschland verboten. Nach dem Krieg nimmt Braumüller  Geschlecht und Charakter wieder ins Programm. 1947 erscheint der Titel in der 28. Auflage. Im Jubiläumsjahr 2005 setzt sich der „Weininger-Verlag“ neuerlich mit dem umstrittenen Philosophen auseinander und bringt eine kritische Textsammlung zu Weininger heraus. Mit der Anthologie  Mehr oder Weininger. Eine Textoffensive aus Österreich/Ungarn unternehmen die Herausgeberinnen  Amália Kerekes, Alexandra Millner, Magdolna Orosz und  Katalin Teller erstmals den Versuch, unterschiedliche zeitgenössische Reaktionen auf Weiningers Schrift in einem breiten kulturhistorischen und politischen Kontext widerzuspiegeln.


Die Druckerei Jasper in der Thongasse

1892 Friedrich Jasper lässt in der Thongasse 12 in Wien-Landstraße vom Architekten  Julius Deininger ein neues Gebäude für seine Druckerei errichten. Mitte der 1890er-Jahre ist Friedrich Jaspers Firma die achtgrößte Wiener Privatdruckerei, mit über fünfzehn Schnellpressen.

1899 Der „Reichsverband der Buchdruckereibesitzer Österreichs“ wird begründet und Friedrich Jasper zum Schriftführer gewählt.

1908 Friedrich Jasper erteilt seinem Schwiegersohn  Alfred Leithe (1876–1957), k.k. Linienschiffs-Leutnant, die Prokura in seiner Buchdruckerei in der Thongasse.

1913 Alfred Leithe wird Teilhaber der Druckerei Jasper. Nachdem Friedrich Jaspers einziger Sohn Reinhard 1904 im Alter von 22 Jahren verstorben ist, nimmt Alfred Leithe 1913 den Namen  Leithe-Jasper an.


Verkauf des Braumüller Verlags an Friedrich Jasper

1915 Als Folge des Ersten Weltkrieges gerät die „Verlagsbuchhandlung Wilhelm Braumüller“ in finanzielle Schwierigkeiten. Die Druckerei Jasper zählt zu den bedeutendsten Gläubigern der Firma. Adolf und Rudolf Braumüller verkaufen den Verlag an Friedrich Jasper, Karl Scheibe und Bruno Bartelt, die eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung gründen, um die Firma zu sanieren. Rudolf Braumüller bleibt Anteilsinhaber, scheidet aber 1919 endgültig aus. Die weiteren Gesellschafter des Unternehmens sind  Carl von Kailer, Alfred Leithe-Jasper, Heinrich Leithe, Carl Mang, Ernst Rabe und  Bruno Schroeder. Der Seniorchef der Druckerei Jasper, Friedrich Jasper, wird im Dezember 1915 zum Präsidenten des Aufsichtsrats gewählt. Die beiden Firmen, der Verlag „Wilhelm Braumüller Universitäts- Verlagsbuchhandlung Ges.m.b.H.“ und die Sortimentsbuchhandlung „Wilhelm Braumüller & Sohn“, sind nun sowohl hinsichtlich der Besitzverhältnisse als auch der Geschäftsleitung vollkommen getrennt. Der Verlag zieht vom ursprünglichen Sitz in der Wickenburggasse 13 an die Adresse Servitengasse 5 im neunten Wiener Gemeindebezirk, Verlagsleiter wird der langjährige Mitarbeiter Bruno Schroeder (gest. 1924). Die Sortimentsbuchhandlung „Wilhelm Braumüller & Sohn“ verbleibt auf dem alten Standort am Graben 21 und wird schließlich im Jahr 1919 von Adolf und Rudolf Braumüller ebenfalls verkauft. Der neue Eigentümer, Hans Sachsel (geb. 1893), verpflichtet sich, keine Verlagstätigkeit unter dem Namen „Braumüller“ zu entwickeln, betätigt sich jedoch bei der Firma „F. Lang“ als Verleger von Belletristik. 1932 verkauft Sachsel die Buchhandlung. Der Schriftsteller und spätere Bundeskulturrat  Guido Zernatto (1903–1943) wird Anteilseigentümer und Geschäftsführer der „Wilhelm Braumüller & Sohn Universitätsbuchhandlung“ am Graben 21; 1936 folgt ihm seine Gattin  Riccarda Zernatto, die ihre Geschäftsanteile im Februar 1938 verkauft. Zwei Jahre später übernimmt die Druck- und Verlagsanstalt „Vorwärts“ die Buchhandlung. Nach dem Krieg werden  Anton Jenschik und  Franz Cischek als öffentliche Verwalter der Druck- & Verlagsanstalt „Vorwärts“ und der Buchhandlung „Braumüller & Sohn“ eingesetzt; 1947 ändert man den Firmenwortlaut zu „Danubia Verlag, Universitätsbuchhandlung Wilhelm Braumüller“. Im Juni 1948 wird die öffentliche Verwaltung aufgehoben und Franz Cischek als alleiniger Vorstand der Druck- und Verlagsanstalt „Vorwärts“ zum Geschäftsführer bestellt. Die „Danubia Verlag Universitätsbuchhandlung Wilhelm Braumüller & Sohn“ besteht bis 1992. Danach wird der Firmenname aus dem Handelsregister gelöscht.

1918 Oswald Spenglers Untergang des Abendlandes. Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte in zwei Bänden – davor von sechs großen Verlagen abgelehnt – wird zu einem der großen Bestseller für Braumüller. Nach dem Zerfall der Donaumonarchie verlagern sich die Programmschwerpunkte des Verlags zunehmend auf die Geisteswissenschaften, aktuelle politische und wirtschaftliche Themen sowie Nationalitäten- und Minderheitenprobleme. Die medizinischen und veterinärmedizinischen Titel treten im Programm zurück und werden schließlich 1928 zum überwiegenden Teil an den Verlag Urban & Schwarzenberg verkauft.


Generationenwechsel im Hause Jasper und Braumüller

1926 Friedrich Jaspers Schwiegersohn Alfred Leithe-Jasper wird öffentlicher Gesellschafter der Druckerei Jasper. Die Geschäftsführung des Braumüller Verlags übernimmt er gemeinsam mit seinem Sohn Harald Leithe-Jasper (geb. 1904), einem Juristen und gelernten Buchhändler, der nach einer Ausbildung in Halle an der Saale (im Sortiment „Albert Neubert“ und im Verlag „Carl Marhold“) bei „F. Volckmar“ und beim Verlag „L. Staackmann“ in Leipzig tätig gewesen ist.

1927 Anlässlich des 80. Geburtstages von Friedrich Jasper veröffentlicht  Carl Junker bei Braumüller die Festschrift  Ein Wiener Buchdrucker um die Wende des zwanzigsten Jahrhunderts. Ein Beitrag zu Wiens Buchdruckergeschichte. Im selben Jahr erscheint die erste Ausgabe von  Nation und Staat . Deutsche Zeitschrift für das europäische Minoritätenproblem. Sie wird bis März 1933 von den Führern deutschsprachiger Minderheiten in Ungarn ( Jacob Bleyer ), Rumänien ( Rudolf Brandsch ), Lettland ( Paul Schiemann ) und Dänemark ( Johannes Schmidt-Wodder ) herausgegeben. Ab April 1933 liegt die Herausgeberschaft beim Verband der deutschen Volksgruppen in Europa. Als verantwortlicher Redakteur zeichnet Ferdinand von Uexküll und ab Juni 1938  Werner Hasselblatt, der im Oktober 1942 alleiniger Herausgeber der Zeitschrift wird. Nach dem „Anschluss“ Österreichs an Deutschland im März 1938 verlegt man die Redaktion von Wien nach Berlin.


Der Umgang mit den Nationalsozialismus

1932 In einem Artikel mit dem Titel  Der Nationalsozialismus, das Grenz- und Auslandsdeutschtum und das Nationalitätenrecht , der in der Oktoberausgabe von  Nation und Staat erscheint, erläutert  Norbert Gürke das Programm der NSDAP zu Nationalitätenfragen. Er bezeichnet sich in seinem Text als „Leiter der Rechtsabteilung von Ostland – Wien NSDAP, Landesleitung für Österreich“.

1934 Johannes Schmidt-Wodder, ehemaliger Herausgeber von  Nation und Staat , begrüßt in  Deutschland gestern und heute die Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland.

1937 Als Harald Leithe-Jasper aus dem Verlag ausscheidet, folgt ihm seine Tante Annemarie Kundert (1891–1968) in der Geschäftsführung nach.

1938 Friedrich Jasper stirbt. Das Erbe des Druckereibesitzers geht an seine Töchter  Edith Leithe-Jasper, Ilse Potocnik und Maria von Wolff.

1939 Robert Körber veröffentlicht bei Braumüller  Rassesieg in Wien, der Grenzfeste des Reiches mit einer Widmung an Adolf Hitler, den „Befreier der Ostmark“. Das Verlagsprogramm dieser Jahre spiegelt deutlich die nationalsozialistischen Allmachts- und Ohnmachtsfantasien wider, was den Braumüller Verlag unter damaligen Rahmenbedingungen auch mitverantwortlich an der Verbreitung nationalsozialistischen Gedankenguts macht. Heute distanziert sich der Braumüller Verlag strikt von den seinerzeit transportierten Inhalten und verfolgt mit einer inzwischen langen Reihe pluralistischer Publikationen eine konsequente und kritische Verlagspolitik.

1940 Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges kommen Verlagstätigkeit und Export weitgehend zum Stillstand. Lediglich ein Titel, Das Werden Großdeutschlands von  Erwin Mayer-Loewenschwerdt, erscheint bei Braumüller.

1943 Bei einem Bombenangriff im Dezember 1943 wird das gesamte Auslieferungslager des Braumüller Verlags bei K. F. Koehler in der Hospitalgasse 10 in Leipzig zerstört.

1944 Die Zeitschrift  Nation und Staat wird nach Erscheinen des 17. Jahrganges im November 1944 eingestellt.

1946 Aufgrund von Annemarie Kunderts langjähriger NSDAP-Parteimitgliedschaft (seit 1932) verfügt das Staatsamt für Volksaufklärung, Unterricht und Erziehung die „öffentliche Verwaltung“ des Braumüller Verlags und setzt  Josef Friedrich, Verlagsbuchhändler und bislang leitender Angestellter des Antiquariats „Franz Deuticke“, als Verwalter ein. Als einzige Neuerscheinung im ersten Jahr nach Kriegsende veröffentlicht Braumüller  Robert Hellers Vom Wesen der „Affekte“. Eine psychologische Untersuchung des höheren Gefühlslebens , das noch im selben Jahr in zweiter Auflage erscheint.

1947 Mit Schreiben vom 19. Februar 1947 beruft das Bundesministerium für Vermögenssicherung und Wirtschaftsplanung den öffentlichen Verwalter des Braumüller Verlags, Josef Friedrich, ab, nachdem Annemarie Kundert als Geschäftsführerin aus dem Handelsregister gelöscht worden ist. Die Geschäfte gehen wieder auf  Alfred Leithe-Jasper über. Der Verlag hat nur zwei Angestellte – einen buchhändlerischen und einen kaufmännischen Mitarbeiter – und zusätzlich einen Boten.


Der Schulbuchverlag Braumüller

1950 Josef Eckel (1909–1982), seit 1930 Mitarbeiter bei Braumüller, wird Verlagsleiter. Unter seiner Führung wird in den folgenden Jahren der Lehrbuchsektor, der schon im 19. Jahrhundert einen wichtigen Teil des Verlagsprogramms ausgemacht hat, ausgebaut. In Zusammenarbeit mit dem „Österreichischen Buchklub der Jugend“ gestaltet der Verlag ein Kinder- und Jugendbuchprogramm.

1955 Hedwig Kopetzky-Rechtpergs Grammatik der englischen Sprache wird vom Bundesministerium für Unterricht „als Lehrbuch zum Unterrichtsgebrauch an der Oberstufe der Mittelschulen und den ihr gleichgestellten Lehranstalten zugelassen“; der Titel wird insgesamt 11 Auflagen erreichen. Es folgen zahlreiche namhafte Schulbuchtitel, darunter Longseller wie die  Einführung in die Literatur des deutschen Sprachraumes von ihren Anfängen bis zur Gegenwart von Herbert Pochlatko und  Karl Koweindl. „Der Pochlatko“, die Literaturgeschichte für Generationen von SchülerInnen, ist in der Bearbeitung von  Manfred Mittermayer und Fritz Popp als  Abriss der deutschsprachigen Literatur immer noch im Schulbuchprogramm des Braumüller Verlags, eine völlig überarbeitete und aktualisierte Neuauflage ist in Vorbereitung.

1957 Alfred Leithe-Jaspers zweiter Sohn  Erich Leithe- Jasper (1906–1981) wird zum Geschäftsführer der Druckerei Jasper bestellt. Nach dem Tod seiner Eltern ist er von 1957 bis zu ihrer Liquidation im Jahr 1981 Alleininhaber der Druckerei, die einen Großteil der Braumüller- Verlagsproduktion herstellt. In seiner Funktion als Geschäftsführer des Verlags nimmt er vor allem auf die Buchgestaltung Einfluss.


Schwerpunkt „Minderheiten“

1958 Das wissenschaftliche Zeitschriftenprogramm wird ausgebaut. Ein Sonderheft von  Europa Ethnica. Zeitschrift der Föderalistischen Union Europäischer Volksgruppen erscheint als Fortsetzung von  Nation und Staat . Ab 1961 gibt der Verlag  Europa Ethnica als Vierteljahresschrift für Nationalitätenfragen heraus. Heute erscheint sie zweimal jährlich als Doppelheft mit Beiträgen aus den Bereichen Politik, Recht und Sprachwissenschaft. Im Impressum ist unter der Rubrik „Grundlegende Richtung“ der Vermerk „Weltanschaulicher Pluralismus im Rahmen der Wissenschaftlichkeit“ verankert.

1963 Die Schriftenreihe  Ethnos wird gegründet. In regelmäßigen Abständen erscheinen Bände unter der Schriftleitung des Völkerrechtlers  Michael Geistlinger. 2005 ist die Reihe mit  Ulrike Köhlers Sprachengesetzgebung in Russland und  Raphael Draschtaks Endspiel 1995  bereits bei den Bänden 65 und 66 angelangt.

1966 Die Stadt Wien nennt eine Straße im 17. Gemeindebezirk „Braumüllergasse“ – nach dem Verleger Wilhelm von Braumüller.

1968 Unter der Leitung von  Erich Heintel wird das Wiener Jahrbuch für Philosophie begründet. Nach dem Tod von Prof. Heintel übernimmt  Hans-Dieter Klein die Herausgeberschaft.

1970 Der langjährige Verlagsleiter  Josef Eckel scheidet aus gesundheitlichen Gründen aus dem Verlag aus. Unter seiner Leitung sind seit dem Krieg insgesamt 225 neue Titel erschienen. Eckels Nachfolgerin  Gertrude Hlavka ist bis 1978 als Verlagsleiterin tätig.

1971 Zwei literaturwissenschaftliche Reihen werden ins Leben gerufen, die heute von  Wendelin Schmidt-Dengler äußerst erfolgreich betreut werden: Zur neueren Literatur Österreichs (vormals  Untersuchungen zur österreichischen Literatur Österreichs des 20. Jahrshunderts ) und die Wiener Arbeiten zur Literatur (vormals  Wiener Arbeiten zur deutschen Literatur ).

1972 In Österreich wird die so genannte Schulbuchaktion eingeführt, die gewährleistet, dass allen SchülerInnen inhaltlich aktuelle Schulbücher unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden. Die Gratis-Schulbuchaktion ermöglicht dem Verlag einen beachtlichen Umsatzzuwachs, erfordert allerdings auch einen großen Verwaltungsaufwand und finanziellen Einsatz.
Theodor Tomandl und  Walter Schrammel starten mit dem Haus Braumüller die Reihe  Wiener Beiträge zum Arbeits- und Sozialrecht , die 2005 mit  Arbeitsrechtliche Diskriminierungsverbote bereits den Band 49 abschließt.

1977 Albert F. Reiterer (geb. 1948) tritt als Verlagsassistent bei Braumüller ein. Anfang 1979 erhält er die Prokura und übernimmt die Verlagsleitung. Inhaltliche Schwerpunkte setzt er auf den sozialwissenschaftlichen Sektor und das Minderheitenprogramm.

1978 Unter der Ägide von  Hilde Haider-Pregler und Wolfgang Greisenegger wird eine theaterwissenschaftliche Reihe begründet, die heute unter dem Titel Blickpunkte etabliert ist.

1981 Die Reihe  Wiener Beiträge zur englischen Philologie , mit Anfängen im 19. Jahrhundert eine der ältesten anglistischen Wissenschaftsreihen weltweit, wird unter dem Namen  Austrian Studies in English fortgesetzt. Unter der Herausgeberschaft von  Holger Klein, Manfred Markus und  Herbert Schendl erscheinen regelmäßig sprachwissenschaftliche sowie literatur- und kulturkundliche Arbeiten, 2005 eine Untersuchung zu  Shakespeare’s Richard III on Screen von  Saskia Kossak (Band 92) und eine Studie über  Witches in English Renaissance Drama von  Dietmar Tatzl (Band 93).
Die Druckerei Jasper, die einen Großteil der Braumüller- Verlagsproduktion hergestellt hat, wird liquidiert. Kurz darauf stirbt der letzte Besitzer, Erich Leithe-Jasper.

1982 Erich Leithe-Jaspers Tochter  Brigitte Pfeifer (geb. 1936) tritt in den Verlag ein. Sie hat die grafische Lehr- und Versuchsanstalt, Abteilung für Buchdruck, und eine Buchhandelslehre bei „Gerold am Graben“ absolviert. Eine neue Ära beginnt.
200 Jahre Wissenschaft und Bildung

1983
Zum 200-jährigen Bestehen des Braumüller Verlags findet eine Festveranstaltung im Palais Auersperg statt, in Anwesenheit von Bundespräsident Rudolf Kirchschläger und Bundesministerin Hertha Firnberg.

1984
Hilde Weiss entwickelt ein Konzept für eine soziologische Buchreihe; Band 1 der  Sociologica , Antisemitische Vorurteile , verfasst von der Herausgeberin, erscheint noch im selben Jahr. Albert F. Reiterer scheidet als Geschäftsführer aus dem Verlag aus. Seine Nachfolgerin wird nun Brigitte Pfeifer, die Mitinhaberin des Verlags. Weitere Eigentümerinnen des Familienunternehmens sind Brigitte Pfeifers Mutter  Auguste Leithe-Jasper (1912–1994) und ihre Schwester  Vroni Hampe (1939–1998). Renate Piffl (geb. 1946), langjährige Mitarbeiterin im Verlag, übernimmt als Prokuristin das operative Geschäft. In den folgenden Jahren gelingt es der neuen Geschäftsleitung, das Schulbuchprogramm erfolgreich zu erweitern.

1985
Der Verlag eröffnet mit  Latein in unserer Welt eine Latein-Lektüre-Reihe für die AHS-Oberstufe, herausgegeben von  Wilhelm Hadamovsky und  Ernst Nowotny, die sich erfolgreich etabliert. Jeder einzelne der insgesamt 13 Bände der Reihe erlebt mehrere Auflagen. In den 90-er Jahren wird das Lateinprogramm durch Grundlehrgänge ergänzt: Veni Vidi Didici und in weiterer Folge  Felix.

1986
Mit  Wolfgang R. Langenbucher wird die  Studienreihe für Publizistik und Kommunikationswissenschaft gegründet. Die Reihe, kurz „PKW“ genannt, ist elementarer Bestandteil des wissenschaftlichen Fachdiskurses.

1990
Im Schulbuchprogramm von Braumüller veröffentlichen  Konrad Paul Liessmann und Gerhard Zenaty eine  Einführung in die Philosophie, Vom Denken . Braumüller kann sich die deutschsprachigen Rechte für  Pierre Bourdieus Klassiker  Ce que parler veut dire. L’économie des échanges linguistiques sichern: Was heißt sprechen? Die Ökonomie des sprachlichen Tausches ; 2005 wird der Titel wieder aufgenommen und in ergänzter, aktualisierter Fassung neu herausgebracht. Zeitgleich wird ein neues Programmfeld eröffnet: die Politikwissenschaft. Mit  Ilse König, Anton Pelinka und Helmut Reinalter gewinnt der Braumüller Verlag drei renommierte Herausgeber. Die Reihen  Studien zur politischen Wirklichkeit , Vergleichende Gesellschaftsgeschichte und politische Ideengeschichte sowie die Studienreihe  Konfliktforschung (letztere schon in den 80er-Jahren) werden gegründet. 
1995
Neuerungen bei der Schulbuchaktion: Ein Kostenbeitrag der Eltern in Höhe von 10 % des für die jeweilige Schulform festgesetzten Limits wird eingeführt. Im Jahr 1998 wird die Schulbuchaktion erneut reformiert: Die Schulbücher gehen zwar weiterhin in den Besitz der SchülerInnen über, ein Teil der gebrauchten Bücher soll jedoch auf freiwilliger Basis weitergegeben werden. 1996 übernimmt der Braumüller Verlag die neue deutsche Rechtschreibreform für sein Programm.1998 Karl Korinek begründet die  Schriftenreihe zum öffentlichen Recht und zu den politischen Wissenschaften.

1999
Brigitte Pfeifers Tochter Konstanze Weber (geb. 1970) tritt nach einem Jahr bei Juridica (Manz) in das Familienunternehmen ein und betreut schrittweise alle Bereiche. Mit ihr ist die fünfte Generation der Familie Jasper im Verlag tätig.  

2002
Seit Oktober 2002 ist Brigitte Pfeifer Alleineigentümerin des Verlags. Die Prokuristin Renate Piffl tritt in den Ruhestand, Konstanze Weber wird zweite Geschäftsführerin und übernimmt die Verlagsleitung. Nach dem Generationenwechsel bei Braumüller wird verstärkt Gewicht auf Programmplanung, Öffentlichkeitsarbeit und Lektorat gelegt. Auch das äußere Erscheinungsbild wird modernisiert. „Wissen und Bildung“ ist das neue Motto im Verlagslogo. Um die Konkurrenzfähigkeit zu erhalten, strafft Konstanze Weber das Verlagsprogramm und konzentriert dieses auf die wissenschaftlichen Disziplinen Politik, Geschichte, Recht,Völkerrecht, Soziologie, Psychologie und Philosophie, Kommunikation, Sprache und Literatur,Theater. Höchster Wert wird auf die Bewahrung der Strukturen eines fachwissenschaftlichen Privatverlags gelegt. In Büchern gesprochen bedeutet das für das Jahr 2004 vier Novitäten: Ein Historikerteam aus Graz um  Harald Heppner folgt den  Spuren des 18. Jahrhunderts ins Heute ( In der Vergangenheit viel Neues ); in Chronos und Ödipus  rollen Anton Pelinka und  Barbara Liegl den Kreisky-Androsch- Konflikt auf; der erfolgreiche Braumüller-Schulbuchautor Wilhelm Dabringer stellt in dem Band  Auf das Buch gekommen abermals sein Talent als Zeichner und Designer unter Beweis; mit Medienpioniere erzählen ... 50 Jahre österreichische Mediengeschichte – von den alten zu den neuen Medien schließlich verwirklicht der Verlag mit den Herausgebern  Clemens Hüffel und Anton Reiter ein multimediales Buchprojekt, das mittels beiliegender DVD Interviewmitschnitte von 25 Medienpionieren von Bacher bis Zilk hör- und sichtbar macht. 

2005
Der Schulbuch- und Wissenschaftsverlag Braumüller feierte sein 222-jähriges Bestehen. Das  Schulbuch-Programm des Braumüller Verlags umfasst über 60 approbierte Titel, vorwiegend für allgemein bildende und berufsbildende höhere Schulen. Die Schwerpunkte lagen in den Bereichen Bildnerische Erziehung ( Kunst ; Augen auf ), Deutsch – Literatur ( Abriss der deutschsprachigen Literatur – Neuausgabe in Vorbereitung; Zeit und Wort ), Psychologie und Philosophie ( Psychologie ; Abenteuer Psyche ; Vom Denken ), Englisch ( Best Shots ;in Vorbereitung: Best Shots for Business ), Italienisch  (Le manderò un messaggio ... – Neuausgabe mit CD-Rom in Vorbereitung; Muoviti ) und Latein. Hier startet im Jahr 2005 die neue Reihe  Latein in unserer Zeit.

Im  Wissenschaftsbereich erscheinen bei Braumüller – neben einschlägigen Fachzeitschriften ( Europa Ethnica , Fachsprache , migralex , Österreich in Geschichte und Literatur , Österreichische Zeitschrift für Wirtschaftsrecht ) – im Jubiläumsjahr 2005 über 20 Neuerscheinungen. Der Verlag kann unter anderem prominente Persönlichkeiten wie  Clemens Jabloner, Karl Korinek, Heinz Mayer, Helmut Pechlaner, Anton Pelinka,Wendelin Schmidt- Dengler,Theodor Tomandl zu seinen AutorInnen und HerausgeberInnen zählen.

Highlights aus dem damaligen Wissenschafts-Programm waren u. a. die Titel  „Gerade weil Sie eine Frau sind ...“ . Erkundungen über Bertha von Suttner, die  un bekannte Friedensnobelpreisträgerin , herausgegeben von Laurie R. Cohen aus Anlass der Verleihung des Friedensnobelpreises an Suttner vor genau 100 Jahren; der bereits erwähnte Band  Mehr oder Weininger ,u.a.mit Beiträgen von Rosa Mayreder über Oskar Kokoschka und Karl Kraus bis Sigmund Freud; die Neuauflage von Pierre Bourdieu, Was heißt sprechen? ; eine Textsammlung zum Phänomen Populismus, Populisten an der Macht , zusammengestellt von den deutschen Politologen Susanne Frölich-Steffen und  Lars Rensmann, und last but not least eine neue wissenschaftliche Reihe, in Kooperation mit Historikern und Zoologen unter dem Titel  Tiergarten Schönbrunn – Geschichte von  Helmut Pechlaner, Dagmar Schratter und  Gerhard Heindl herausgegeben. Mit dem ersten Band  Von Kaiser bis Känguru ist die Reihe im Frühjahr 2005 eröffnet worden.

Der Literatur- und Sachbuchverlag

2008 Brigitte Pfeifer sah ganz klar, dass dem Verlag ein Generationenwechsel guttun würde, und entschloss sich mit 73 Jahren in Pension zu gehen. Die Zukunft war indes ungewiss. Zur Geschichte des Braumüller Verlages passt es, dass er in seiner langen Geschichte immer wieder auch von starken Frauen geführt wurde, bereits das Erbe von Johann Ritter von Mösle wurde seinerzeit so verwaltet. zum Glück für den Verlag und seine Autorinnen und Autoren entschieden sich in dieser heiklen Zeit Konstanze und Bernhard Borovansky dafür, den Verlag als Familienunternehmen weiterzuführen, und übernahmen zu gleichen Teilen ein Verlagshaus, dem man sich mit Haut und Haaren verschreiben musste, wollte man es erfolgreich in die Zukunft führen. Irgendwie war dieser Bruch im Verlagsprogramm - weg vom Schulbuch und von der Wissenschaft - aber auch eine Rückkehr zu den Idealen der früheren Zeit, als Johann Ritter von Mösle sich darin versuchte, seine Verlag mit Literatur, Philosophie, den schönen Künsten insgesamt zu verorten, um seinen Anteil an der Aufklärung zu haben.

2012 Vorsichtig beobachteten die neuen Verleger vorerst, wie sich der Buchhandel entwickeln würde, einige Sachbuchtitel wurden neben dem allgemeinen Programm gewagt, aber spätestens 2012 war klar, dass ein Umbruch notwendig war. Sowohl das Schulbuchprogramm (an den Verlag Hölder-Pichler-Tempsky) als auch das Wissenschaftsprogramm (an new academic press) wurden verkauft; seitdem ist Braumüller ein reiner Literatur- und Sachbuchverlag


Wir danken Irene Nawrocka, Verlagshistorikerin, für diesen Beitrag. Auch bei Bernd Schuchter möchten wir uns bedanken, der einiges, vor allem in der neueren Zeit beigesteuert hat und dessen Buch "Der Braumüller Verlag und seine Zeit" im September 2018 bei Braumüller erschienen ist.