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Katalog » Wissenschaft » Geschichte

Bernhard Kuschey
Die Wodaks - Exil und Rückkehr
Eine Doppelbiografie. Mit einem Vorwort von Heinz Fischer

Ein Leben zwischen Vertreibung, Exil und Rückkehr, engagiertes politi­sches Wirken unter den sensiblen Bedingungen im Nachkriegsösterreich, von denen ein Briefwechsel intimes Zeugnis gibt. Die Geschichte des Botschafterehepaars Erna und Walter Wodak wäre ein Roman, wäre sie nicht Wirklichkeit – und ein bedeutendes Korrektiv öster­reichischer wie auch parteipolitischer Zeit­geschichte.


Eine Doppelbiografie im Nachkriegsösterreich

Die Rabbinertochter Erna Wodak, geborene Mandel, wurde mit der Wiener Judophobie in verstärkter Weise konfrontiert. Ihrer Familie gelang nach Ausgrenzung und Beraubung 1938 / 39 die Flucht. Erna Wodak konnte als Chemikerin in der Forschung und in den „refugee industries“ Englands Fuß fassen und wurde von den renommierten Wissenschaftern Michael Polanyi und Chaim Weizmann in die kriegswichtige Ersatz- und Kunststoff forschung eingebunden. Walter Wodak akkulturierte sich in die Freundeskreise der sozialistischen Jugend- und Studentenbewegung und in den radikalen Flügel der Sozialdemokratie. Die Niederlage des Austromarxismus radikalisierte ihn, und er arbeitete in der Illegalität für die Abwehr der nationalsozialistischen Überwältigung Österreichs. In England beteiligte er sich am schwierigen Selbstfi ndungsprozess des österreichischen sozialistischen Exils, leistete seinen Beitrag in der britischen Armee und in den Einrichtungen der britischen Kriegspropaganda und setzte sich früh für das Kriegsziel der österreichischen Unabhängigkeit ein.

Rückkehrer und ihre Rolle beim Wiederaufbau

Walter Wodak kehrte im britischen Element der Alliierten Kommission nach Österreich zurück und schrieb seiner Frau täglich – ein Briefwechsel, anhand dessen Bernhard Kuschey neue Seiten der Rückkehr problematik aufrollt und aus nächster Nähe auf die weitgehend unterschätzte Beteiligung von Exilanten beim österreichischen Wiederaufbau eingeht. Exilösterreicher, die zumeist über gute Beziehungen zu den Besatzungsmächten verfügten, wurden oft in der österreichischen Diplomatie eingesetzt, gleichzeitig aber von den zentralen Schalt stellen österreichischer Politik ferngehalten. So wurde auch Walter Wodak Botschafter in Jugoslawien und in der Sowjetunion, von wo aus er zum Beispiel auch die Konflikte um den sowjetischen Einmarsch in die CSSR 1968 miterlebte. Nach dem frühen Tod Walter Wodaks 1974 nahm Erna Wodak ihre Forschungstätigkeiten wieder auf. Sie war eine Pionierin der wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit dem Weizmann Institute of Science in Israel.

Am 22. November 2008 wäre Walter Wodak 100 Jahre alt geworden. Mit der Lebensgeschichte von Erna und Walter Wodak ist Bernhard Kuschey eine nuancenreiche zeitgeschichtliche Analyse zentraler Themen des 20. Jahrhunderts geglückt: jüdische Identitäten vor, im und nach dem gewalttätigsten Ausbruch des Judenhasses; Niederlage linker Politik im Prozess der Faschisierung und Stalinisierung; Exilerfahrung und Exilpolitik; Wiederaufbau in der österreichischen postfaschistischen Gesellschaft und Kalter Krieg.

„Walter Wodak gehörte zu den brillantesten und einflussreichsten Diplomaten der Zweiten Republik. Er teilte das Schicksal vieler jüdischer österreichischer Intellektueller und Emigranten und gehörte zu jenen, die - trotz allem - hart am Wiederaufbau unseres Landes arbeiteten und denen Österreich viel zu verdanken hat. Es ist verdienstvoll, dass über Walter und Erna in Form dieses Buches berichtet wird.
- Bundespräsident Heinz Fischer im Vorwort

"Walter Wodaks Briefe an seine Frau in England zählen zu den rührendsten Dokumenten, die Kuschey in seiner gründlich recherchierten, wissenschaftlich geschriebenen Studie zitiert. Schriftsteller fänden bei ihm Stoff genug für einen schillernden Jahrhundertroman."
- Buchtipp von Barbara Tóth im Falter, 6.3.2009



Kategorie: Geschichte
Erschienen 2008
Franz. Broschur, 388 Seiten
ISBN: 978-3-7003-1649-7

Einzelpreis: 32.90 EUR

» Buchinformation (pdf, 948 kB)
» Buchpräsentation am 4. Dezember: Die Wodaks
  
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